Schützenvereine und -bruderschaften haben im Kreis Gütersloh eine teilweise jahrhundertealte Tradition. Im Vergleich dazu mag manchem Betrachter der Bürgerschützenverein Verl – Bornholte – Sende noch relativ jung erscheinen. Dennoch haben die“Bürger“, wie der Verein im Volksmund liebevoll genannt wird, eine wechselvolle Geschichte mit vielen Höhepunkten bereits hinter sich und können insbesondere auf glanzvolle Feste im Herzen Verls mit der gesamten Bevölkerung zurückblicken. Auch heute noch gibt es Augenzeugen, die über die Zeit der Gründung des Vereins beredtes Zeugnis abzulegen wissen, ihren Erzählungen sollte man aufmerksam lauschen, Unterlagen nämlich aus den Anfängen der Gemeinschaft sind so gut wie gar nicht mehr vorhanden. Es wird vermutet, daß die Dokumente aus den Gründerjahren in den Wirren des Zweiten Weltkrieges verlorengegangen sind, so, wie beispielsweise die erste Vereinsfahne, die im April 1945 von den einmarschierenden, amerikanischen Truppen gefunden und als „Souvenir“ mitgenommen worden war. Die Fahne bildete zu jener Zeit das wertvollste Erinnerungsstück des Vereins, sie war im Rahmen des zweiten Stiftungsfestes der Gemeinschaft, das vom 3. bis 5. August 1929 stattfand, geweiht worden.

Die Beschreibung der Vereinsgeschichte, etwa aus den ersten dreißig Jahren des Bestehens, von 1928 bis 1958 muß nach wie vor zum großen Teil aus mündlichen Überlieferungen der Gründungsmitglieder sowie aus Zeitungsberichten rekonstruiert werden, hier leistete die „Glocke“ in Oelde wertvolle Hilfestellung.

Bereits 1926 waren, wie sich alte Vereinsmitglieder erinnern, erste Aktivitäten unternommen worden, einen sogenannten Bürgerschützenverein zu gründen. Schon damals wurden von den engagierten Betreibern dieser Idee an die 400 Unterschriften von potentiellen Interessenten gesammelt, die sich dabei bereit erklärten, einem noch zu gründenden Verein dieser Art beitreten zu wollen. Die Bemühungen zogen sich hin. Anfang 1928 aber war der große Moment gekommen: Im Hotel Clasbrummel wurde der neue Schützenverein offiziell aus der Taufe gehoben, die Mitglieder gaben sich den Namen “ Bürgerschützenverein Verl-Bornholte-Sende“. In ihm schlossen sich Männer aus den drei ehedem selbständigen Gemeinden zusammen. Bis heute hat sich der Verein den Namen bewahrt, auch wenn im Zuge der kommunalen Neugliederung 1970dieGemeinden zu einer einzigen zusammengelegt worden waren. Nach wie vor besteht der Verein aus und mit den Bürgern der drei Ortsteile, gibt es für jeden eine eigene Kompanie.

Zum ersten Vorsitzenden wurde in der Generalversammlung 1928 der Kaufmann Fritz Stürtz gewählt. Zum Schriftführer ernannte man den Bauunternehmer Conrad Pollmeier. Erster Kommandeur der Gemeinschaft wurde der Auktionator Hermann Voßhenrich aus Sende (sein Sohn Heinrich übernahm 19 Jahre später diese Position). Zum stellvertretenden Vorsitzenden wählte die Gründungsversammlung den Bauern Heinrich Reker aus Bornholte. Alle drei Orte waren nun im Vorstand vertreten, keiner konnte sich zurückgesetzt oder gar unbedeutend für die Gemeinschaft fühlen. Mit den Gründern wurde die Basis für ein fortan gesundes Vereinsleben und stetige Vorwärtsentwicklung gelegt.

Für jede der drei Kompanien wurden “ Männer der ersten Reihe“ gewählt. Die Kompanieführer damals waren: in Verl Hubert Schröder, in Bornholte Bernhard Meermeier und in Sende Hermann Voßhenrich. Noch im gleichen Jahr, eine erstaunliche organisatorische Leistung, konnte das erste eigene Schützenfest gefeiert werden. Auch damit legten die Gründer eine Tradition, die bis heute Bestand hat, drei Tage (und Nächte) nämlich dauerte das erste Fest, drei Tage dauert es auch zur heutigen Zeit. Der 1. bis 3. September war 1928 der Termin für die Festlichkeit, die Premiere gestaltete sich bereits zu einem vollen Erfolg. Erster Schützenkönig des jungen Vereins wurde Otto Großeschallau aus Verl, zur Königin erkor er sich die Ehefrau des Bauunternehmers Conrad Pollmeier, Elisabeth Pollmeier.

Festwirt war damals, wie bei vielen anderen Gelegenheiten auch, der allseits bekannte Gastwirt Hermann Stratsteffen. Mit seiner langen Pfeife, die er bei solchen Gelegenheiten paffte, war er ein ausstrahlendes Bild der Ruhe im turbulenten Festtreiben.

Interessant ist sicherlich eine Übersicht über die finanzielle Bilanz des ersten Schützenfestes, die aus dem noch vorhandenen Kassenbuch ersehen werden kann. Der Verein durfte mit seinem Start zufrieden sein, denn es wurden tatsächlich 999 (!) Eintrittskarten verkauft, man beachte die Aufteilung: Es gab damals preiswertere Damenkarten, und eben Eintrittsbillets für die Herren. 412 Damenkarten, je Stück eine Mark, wurden abgesetzt, dazu 587 Herrenkarten zu je 1,50 Mark. Die Schenke brachte die Summe von 1.660 Mark ein. Für den Königsschuß wurden 200 Mark ausgegeben, zudem mußten 400 Mark Miete für die Festhalle bezahlt werden. Nach Abzug aller sonstigen Unkosten konnte der Verein noch eine Einnahme von 1.300 Mark als Überschuß für sich verbuchen. Geld genug also für die erste Fahne, sie kostete damals 686 Mark.

Die neue Fahne, sie war ein Ereignis für den Verein, wurde im Rahmen des zweiten Schützenfestes geweiht. Dieses feierte man vom 3. bis 5. August genauso glanzvoll wie die“ Premiere“ ein Jahr zuvor. In Vertretung des Landrates des damaligen Kreises Wiedenbrück, Edwin Klein, war Regierungsassessor Großschopf gekommen, um der Weihe entsprechende Aufmerksamkeit auch von überregionaler Seite zukommen zu lassen. Er gab in seiner Festansprache einen interessanten Überblick über die Entstehung sowie die Bedeutung und den tieferen Sinn des Schützenwesens. Der Schluß seiner Rede enthielt eine Beschreibung der ersten Fahne des Bürgerschützenvereins, die, wie bereits erwähnt, mit Ende des Zweiten Weltkrieges von amerikanischen Soldaten mitgenommen wurde.

Nachfolgend die Beschreibung in ihrem ursprünglichen Wortlaut: „Die Fahne ist daher das Symbol der Treue, und so trägt auch die Fahne des Bürgerschützenvereins Verl-Bornholte-Sende als Leitspruch in goldenen Lettern die Inschrift ,Die Treue ist das Mark der Ehre‘. Unter diesem Leitspruch erblicken wir eine Zielscheibe mit zwei gekreuzten Schützenflinten, darüber den Schützenhut und darunter die Worte Gut Ziel‘, den Schützen ermahnend, nicht rechts und links vom Wege abzusehen, sondern den Blick stets geradeaus aufs Ziel zu richten. Im unteren Feld der Fahne befindet sich ein Schild mit den Farben Rot und Weiß, den Farben der Heimatprovinz Westfalen. Sie sollen den Schützen daran erinnern, daß das beste Unterpfand der Treue die Liebe zur gemeinsamen Heimat, die Liebe zur Scholle ist. Umrankt werden diese Symbole vom Eichenlaub, dem Sinnbild deutscher Stärke und Beständigkeit. Auf der anderen Seite der Fahne erblicken wir auf grünem Felde, wieder gruppiert um eine Zielscheibe, den fliegenden Steinadler über hohem Felsengeklüft. In seinen Flügeln hält er je eine Schützenbüchse. Das Ganze ist wieder umrahmt von Eichenlaub. Darunter stehen die Worte: “ Gegründet 1928″. Dieser Beschreibung nachempfunden ist die neue Fahne, die im Rahmen des Festes 1988 geweiht werden wird.

Nach dem Weiheakt 1929 übernahm Generaloberst Fritz Stürtz die Verantwortung für das neue Kennzeichen des Vereins. Wie aus dem Archivmaterial hervorgeht, wurde die Fahne von einem prachtvollen und imposanten Festzug begleitet durch den Ortskern getragen, das ganze Dorf nahm Anteil an diesem Geschehen, schmückte Häuser und Plätze, Schützenkönig beim zweiten Fest des Vereins wurde Ferdinand Krieling. Er wählte die Wirtin des Vereinslokals, Maria Clasbrummel, zur Königin.

In den folgenden Jahren verliefen die Schützenfeste nach dem üblichen Plan und Programm; mit der in Verl schon seit 1833 bestehenden Bruderschaft, die seinerzeit den Namen „Vereinigte Schützengilden Verl und Kaunitz“ führte, bestand ein gutnachbarliches Verhältnis. In den Jahren 1934 und 1935 gab es dann sogar Bestrebungen die Vereine zusammenzuschließen. In der Glocke fand sich folgende Notiz:

„Verl, 26. April. Nur ein Schützenfest im Jahre 1934.

Am gestrigen Abend waren die Vorstände unserer beiden Schützenvereine, des Verl-Kaunitzer Schützenvereins und des Bürgerschützenvereins Verl – Bornholte-Sende zu einer erneuten Besprechung zusammengetreten. Wenn auch eine endgültige Regelung bezüglich des geplanten und im allgemeinen Interesse der Schützensache durchaus wünschenswerten Zusammenschlusses noch nicht getroffen wurde, so kam man doch auf diesem Wege schon ein gutes Stück weiter. Mit Rücksicht darauf, daß der Schützenverein Verl Kaunitz im letzten Jahr (also 1933) das Fest des hundertjährigen Bestehens festlich begangen hat, wird in diesem Jahr nur der Bürgerschützenverein feiern. An diesem Fest nimmt der Schützenverein Kaunitz geschlossen teil. Umgekehrt ist es dann im folgenden Jahre, in dem der Schützenverein Verl-Kaunitz das Fest übernimmt unter geschlossener Beteiligung des Bürgerschützenvereins. Die Zeit bis dahin soll benutzt werden, um den Zusammenschluß Wirklichkeit werden zu lassen. “

Entgegen dieser Vereinbarung hat der Schützenverein Verl-Kaunitz im Jahre 1934 sein Schützenfest gefeiert. Dagegen wurde bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges 1939 die Abwechslung in der Ausrichtung der Schützenfeste eingehalten. Die Bürgerschützen feierten 1935, 1937 und 1939. Letzter Schützenkönig vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurde Heinrich Mikkenbecker, an seiner Seite: Königin Katharina Eilers. Die beiden sollten eine Regierungszeit von 18 (!) Jahren haben.

Am 1. September 1939 brach mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht in Polen der Zweite Weltkrieg aus. Auch die meisten Männer aus dem damaligen Amt Verl trugen den Waffenrock, Schützenfeste verboten sich in jener Zeit von selbst. Auch in den Jahren nach Kriegsende gab es keine Bestrebungen, das Festwesen gleich wieder aufleben zu lassen. Zu tief waren die Erinnerungen an die schrecklichen Kriegsjahre eingebrannt. Die Menschen widmeten ihre ganze Kraft dem Wiederaufbau.

So dauerte es bis zum Jahre 1957, ehe mit dem ersten Schützenfest des Bürgerschützenvereins der Versuch gestartet wurde, den Verein zu reaktivieren, diesem Versuch war ein toller Erfolg beschieden. Die Königswürde erlangte Wilhelm Heitmeier, er und seine Königin Elisabeth Sinnerbrink lösten damit nach 18 Jahren Heinrich Mickenbecker und Katharina Eilers ab.

Im gleichen Jahr wurde eine neue Fahne geweiht, Ersatz für die bei Kriegsende verlorengegangene, gleichzeitig aber auch ein Schritt in eine neue Vereinszukunft. Das erste Schützenfest nach Kriegsende zeigte, daß nach wie vor der Geist des Schützenwesens bei den Bürgern lebendig war, nun, da der Festerfolg den Fortbestand sicherte, mußte sich eine Ordnung gegeben werden. So wurde für den 27. Oktober 1957 eine Generalversammlung einberufen, in der die zuvor entworfene Satzung von den Mitgliedern verabschiedet wurde. Die 156 stimmberechtigten Anwesenden sprachen sich einmütig für die Beibehaltung des bisherigen Vereinsnamens aus und akzeptierten die Satzung. Vorsitzender wurde Ferdinand Mickenbecker, Verl, Stellvertreter Wilhelm Johannwille, Sende, Geschäftsführer Heinrich Schöppner, Bornholte, Hauptkassierer Alfons Gassei, Verl. Der Verein wurde unter der Registriernummer 9 A.R. 5/58 in das Vereinsregister beim Amtsgericht Gütersloh eingetragen. Gleichzeitig wurde das Grundsatzprogramm für künftige Schützenfeste erarbeitet und abgestimmt.

1958 stand das erste Jubiläumsfest an, der Verein konnte sein 30jähriges Bestehen feiern. Auch hier wollten die Schützen bei den früheren Gepflogenheiten bleiben, deshalb wurde für die Veranstaltung das erste Wochenende im August bestimmt, man feierte am 2., 3. und 4. August.

Die folgenden Feste in den Jahren 1957 und 1958, bewiesen, daß das Fest der Bürgerschützen wieder in den Herzen der Verler verankert war und seinen Platz als fester Bestandteil im Reigen der Volksfeste behauptet hatte. Alle folgenden Feste sind in ähnlicher Weise verlaufen. Dann rückte das Jahr 1968 heran, das Jahr, in dem der Bürgerschützenverein 40 Jahre alt wurde. Natürlich wurde dieses Jubiläum festlich begangen.

Zu den Attraktionen zählte unter anderem eine holländische Kapelle, die „Werkmans Wilskracht“, aus Leiden stammend, ein 46 Musiker starkes Orchester. Für die Gäste aus dem Nachbarland, im fröhlichen musikalischen Wettstreit mit den Kapellen aus Westerwiehe und Verl, gab es seitens der großen Zuhörerschar viel Beifall. Die noch lebenden Könige und Königinnen der Jahre 1928 bis 1967 fuhren in einem Ehrenwagen im Festzug mit. Starke Abordnungen benachbarter Vereine dokumentierten die Verbundenheit mit dem Bürgerschützenverein. Die St.-Hubertus-Schützengilde, die Schützenbruderschaft St.-Georg-Dreiländereck Sürenheide und die St.-Hubertus-Schützenbruderschaft Kaunitz zeigten, daß unter den Vereinen, und insbesondere den Schießsportinteressierten des heimischen Raumes Nachbarschaftspflege betrieben wurde und übrigens nach wie vor in hervorragender Weise wird.

Mit den Gästen zusammen sowie dem Königspaar Richard Wiederhold und Hilde Rempe, im stattlichen Königswagen, und dem Throngefolge bildeten viele hundert Teilnehmer den prächtigen Festumzug. Es war das letzte große Jubiläumsfest vor dem 50jährigen Bestehen des Bürgerschützenvereins Verl-Bornholte-Sende, König wurde 1968 Johannes Setter aus Verl, die fröhliche Bürde der Regentschaft teilte er mit Hedwig Bussemas aus Sende.

Im „Verler Leben“ hieß es zum 40jährigen: „Wenn in der heutigen Zeit der Bürgerschützenverein sich als eine geschlossene Einheit mit großem Anhang der Öffentlichkeit vorstellt, so ist das ein gutes Zeichen dafür, daß der Geist, der 1928 die Gründer beseelte, auch heute noch bei einer teilweise recht viel jüngeren Generation gepflegt wird.“ Dieser Feststellung kann man nach wie vor uneingeschränkt Zustimmung erteilen.

Ein Höhepunkt in der Vereinsgeschichte war mit Sicherheit die Feier zum 50jährigen Bestehen. Nicht nur, daß zahlreiche Ehrungen und Beförderungen den Feierlichkeiten zusätzlichen Jubel und Glanz verliehen, auch namhafte Gäste aus allen Sparten des öffentlichen Lebens gratulierten zum Geburtstag.

Von fröhlichen Böllerschüssen begleitet lief ein farbenprächtiger Festumzug, in dem die mit unzähligen Blumen dekorierte Königskutsche mit Vierergespann die Blicke aller auf sich zog. Auch wenn der Regen an diesem Tag das Bild ein wenig trübte, so tat er doch der Freude über den runden Geburtstag keinen Abbruch. Jubiläumsgeschenke erinnern auch heute noch an die Verbundenheit, die von so vielen Gästen bekundet wurde. Lob gab es von allen Seiten.

Im Blickpunkt an jenem Sonntag auch: der in diesem Jahr allzufrüh verstorbene Heinz Schiermeier, der damals am Jubiläumstag selbst seinen 50. Geburtstag feiern konnte.

Der Festmontag sah in jenem runden Jahr ein spannendes Vogelschießen, in dem ein Mitglied der Sender Kompanie, Franz Jungeilges, im wahrsten Sinne des Wortes den Vogel abschoß. Ehefrau Gertrud wurde Mitregentin. Ein Wort an dieser Stelle aber auch einmal zu den im Bürgerschützenverein so engagierten jungen Leuten, die stets das Fest durch ihr eigenes Vogelschießen würzen. Jungschützenkönig im Jubiläumsjahr wurde Ralf Diekämper, als Königin an seiner Seite: Monika Hollenhorst.

Der Tradition des 1978 so fröhlichen Jubelfestes will man im Bürgerschützenverein in jedem Jahr auch fortfahren. Im Vertrauen auf die Anteilnahme der gesamten Bevölkerung freuen sich Vorstand und Mitglieder auf ein schönes Fest und laden alle fröhlichen Menschen ganz herzlich zu allen Terminen der dreitägigen Großveranstaltung ein.